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Historie von Untershausen



Als Streubesitz der Herren von Isenburg wurde Untershausen im Jahre 1415 erstmals urkundlich erwähnt. Die Farben dieser Adelsleute sind noch heute im Ortswappen zu finden. Landsherr war in dieser Zeit jedoch der Erzbischof und spätere Kurfürst von Trier. Auch das 1548 erstmals erwähnte isenburgische "Hofgericht zu Untershausen" befand sich wohl auf der Fläche der heutigen Gemeinde.

Das Dorf ist übrigens nicht, wie man aufgrund des Namens vermuten könnte, der niedrigste Punkt in der Umgebung, sondern liegt sogar etwas höher als alle direkten Nachbargemeinden. Vermutlich haben sich die ersten Bewohner im Mittelalter unterhalb eines bereits bestehenden Gehöfts oder Hauses angesiedelt und daher den heute etwas verwirrenden Ortsnamen ausgewählt.

Bongelßhusen, Bonnelßhusen oder auch Gonnders- hausen - mit diesem Namen war im 16. Jahrhundert wohl auch die Ortsgemeinde Untershausen gemeint. Bis 1789 blieb das Dorf im Besitz des Kurfürsten von Trier und wurde zusammen mit der Nachbargemeinde Stahlhofen verwaltet. Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Untershausen dann zum Herzogtum Nassau, ab 1866 zu Preußen.Zu diesem Zeitpunkt zählte die Gemeinde etwa 180 Einwohner. Seinen ersten Bürgermeister erlebte Untershausen übrigens 1848.

Im gleichen Jahr wurde der Ort der Pfarrkirche Holler angeschlossen, zu der er auch noch heute gehört. Der Pfarreienverband Gackenbach, Holler und Stahlhofen muss allerdings seit geraumer Zeit mit nur einem Pfarrer auskommen.

Hatten die Kinder bis 1843 noch die Schule in Holler besucht, so begann ab diesem Jahr der eigene Unterricht in Untershausen. 10 Jungen und 11 Mädchen bildeten damals die erste Schulklasse. Im September 1909 konnte gar das neue Schulhaus eingeweiht werden. Bis 1952 unterrichtete hier Lehrer Georg Gremp alle Altersklassen. Sein Nachfolger wurde Hans Raskob, der die inzwischen zur Tradition gewordene St. Martinsfeier initiierte. 1968 schließlich wurde die Volkshochschule Untershausen aufgelöst.

Grundschüler wurden fortan in Stahlhofen, später dann in Horbach unterrichtet. Heute besuchen die Klassen 1 bis 4 die Schule in Niederelbert. Die Älteren fahren entweder zur Waldschule Horressen oder zu weiter- führenden Schulen in Montabaur.

Entwicklung in Technik und Gesellschaft gingen auch an Untershausen nicht spurlos vorbei. So rollte etwa im Jahre 1897 der erste Postwagen durch den Ort zur Agentur in Stahlhofen. Zur Weihnachtszeit 1922 freuten sich die Dorfbewohner über die ersten elektrischen Lichtstrahlen, ein Jahr später dann auch über fließendes Wasser. Nach dem ersten Weltkrieg war die Gemeinde übrigens bis 1919 amerikanisch besetzt. Schwarzer Freitag und Weltwirtschaftskrise führten Ende der 20er Jahre auch im Westerwald zu Elend und Massenarbeitslosigkeit.

Die Schrecken des 2. Weltkrieges waren in jeder Ortsgemeinde zu spüren. Hatte die Machtergreifung Hitlers 1933 zunächst zu einer kurzfristigen Verbesserung der angespannten Verhältnisse geführt und damit Hoffnung in der Bevölkerung geweckt, wurde schon bald das Ausmaß des kriegerischen Wahnsinns deutlich: Schon 1935 wurden die ersten Untershäuser Soldaten gemustert. Ehe zehn Jahre später die ersten amerikanischen Panzer durch den Ort rollten und die Menschen von der Diktatur befreiten, verloren viele ihr Leben. 19 Dorfbewohner starben im Kriegsgeschehen oder gelten seitdem als vermisst. Nach der kurzfristigen Besatzung durch die Vereinigten Staaten übernahmen im Juli 1945 die Franzosen das Gebiet.

1953 wurde der Grundstein zum Bau einer Gedächtniskapelle für die Gefallenen gelegt. Am 15. November des gleichen Jahre konnte diese eingeweiht werden.

Alois Ludwig hieß der erste Untershäuser Bürgerneister nach dem Krieg. Seine Amtszeit überdauerte die fünfziger Jahre und endete erst im Oktober 1964. Sein Nachfolger wurde Georg Söllner. Mitte der 60er Jahre entstanden der erste Spielplatz und ein eigener Friedhof. Zuvor waren verstorbene Untershäuser in Holler beerdigt worden. 1971 wurde schließlich auch die neue Friedhofshalle fertiggestellt. An der Bushaltestelle wurden ebenfalls in dieser Zeit drei Birken und eine Linde gepflanzt. Die Bäume prägten bis Mitte der 90er Jahre das Ortsbild im Zentrum von Untershausen.

Kein Dorf ohne Vereine: Um die Weihnachtszeit 1919 fanden sich einige Untershäuser zusammen, um den MGV Liederkranz zu gründen. Viele große Jubiläen sollten in naher Zukunft anstehen, doch leider existiert der Gesangsverein schon lang nicht mehr. Gleiches gilt auch für die 1961 entstandene Schützengesellschaft. Folglich ist das 1932 gegründete Mandolinenorchester der einzige noch bestehende Dorfverein mit großer Tradition. Groß wurde unter anderem das 40-jährige Bestehen im Jahre 1972 gefeiert. Mit jährlichen Festen und Auftritten - zum Beispiel auf der traditionellen Nikolausfeier am Abend des 5. Dezember - bereichern die Musikanten das kulturelle Leben im Dorf. Der Vorsitzende ist derzeit Stefan Neuroth.

Über die Grenzen des Westerwaldes hinaus bekannt ist das Untershausener Jugendferiendorf. Schulklassen und Freizeit gruppen aus ganz Deutschland kommen hierher, um spannende Abenteuer in freier Natur zu erleben. Insgesamt 6 Blockhütten gehören zum Gesamtkomplex, darunter drei Schlafhütten, eine Grillhütte, ein Küchengebäude und nicht zuletzt ein neues, behindertengerechtes Sanitärgebäude.
Fernab stark befahrener Straßen ist das Feriendorf dennoch gut zu erreichen. Entstanden sind die meisten der Hütten in den späten 70'ern und frühen 80'ern.

Feriendorf

In diesen Jahren begann auch die Amtszeit von Bürgermeister Horst Müller, der bis 1996 Ortschef blieb.

Backes

Ein Wahrzeichen von Untershausen ist der historische Backes an der Hauptstraße. Im alten Fachwerk- gebäude traf man sich früher, um Brote zu backen. Bis Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde der Backes als Volkshochschule genutzt. Im Jahre 1972 schließlich konnte das historische Gebäude zum Gemeinschaftsraum umgebaut werden. Heute ist der renovierte Backes nicht nur ein optisches Schmuckstück in Untershausen, sondern auch Tagungsort für den Gemeinderat. Ortsbürgermeisterin Cornelia Baas hat hier ihr Büro. Es verwundert folglich nicht, dass der Backes auch im Ortswappen seinen Platz fand.

Seit 1994 können sich die Untershausener über ein neues Bürgerhaus freuen. Der Saal im Zentrum des Dorfes wurde vom ortsansässigen Unternehmen Neuroth erbaut. Im Untergeschoss des Gebäudes befindet sich zudem ein Jugendraum. Der große gepflasterte Parkplatz in unmittelbarer Nähe enstand nur wenig später. Das Bürgerhaus ist der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Dorflebens. Nicht nur zahlreiche private Feiern finden hier statt, auch die Kirmes und der "Bunte Abend" an Fastnacht werden im großen Saal gefeiert.

Bürgerhaus

Schon zur Tradition geworden ist die alljährliche Nikolausfeier am Abend des 5. Dezember. Kinder tragen Gedichte und Lieder vor und werden vom Nikolaus mit einer Tüte voll Süßigkeiten belohnt. Bis 1991 stand an gleicher Stelle übrigens ein alter Saal.

Obwohl es in Untershausen seit vielen Jahren weder Lebensmittelläden noch Metzgerei oder Bäcker gibt, zieht es immer mehr Menschen in den Ort. Seit Mitte der 80er Jahre ist die Einwohnerzahl geradezu sprunghaft angestiegen. Lebten vor rund 15 Jahren noch etwa 400 Menschen in der Gemeinde, so sind es inzwischen mehr als 500. Für ein derart kleines Dorf ist dies ein fast schon gewaltiger Zuwachs. Hierfür gibt es vor allem zwei Gründe: die gute infrastrukturelle Anbindung und das tolle Panorama. Die Ortschaft vereint das Leben in ruhiger Natur mit schnellen Erreichen des Arbeitsplatzes. Die Autobahn nach Köln oder Frankfurt ist nur etwa 10 Minuten entfern. Untershausen scheint sich daher vom traditionellen Dorf zu einer Pendlergemeinde zu entwickeln.

Nur selten sorgt das kleine Untershausen für überregionale Schlagzeilen. Zuletzt war dies 1996 der Fall: Am Freitag, dem 5. Juli stürzte auf dem "Hähnchen" unweit des Spiel- und Sportplatzes ein Geschäftsflugzeug aus der Schweiz ab. Bei schlechtem Wetter hatte der Pilot wohl die Kontrolle über die Privatmaschien verloren. Alle vier Insassen kamen dabei ums Leben. Lange wurde an der Absturzstelle mit Blumen den Verunglückten gedacht.


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